Einkaufs-Traumata
Author: toni (Weitere Beiträge von toni)16. Januar 2012 um 19:47

#3 Morgens, Tram-Haltestelle Hackescher Markt
Karl kommt zur Haltestelle, sieht seinen alten Kumpel Heinz:
Karl: Moin
Heinz (schreit ins Handy): Wenn Sie das machen, dann hören Sie von meinem Anwalt! Was? Na, da können Sie einen drauf lassen!
Heinz beendet das Telefonat wutschnaubend mit großer Geste.
Heinz zu Karl: Ach, guten Morgen Karl. Naja, so gut ist der Morgen gar nicht. Musste meinen Versicherungsmakler wulffen - Vertragsprobleme!
Karl: Ach, Du jetzt auch? Wulffen - das neue Unwort für “jemanden telefonisch nötigen und bedrohen”!
Karl macht Luftgeste Anführungszeichen.
Heinz: Naja, irgendwie kann ich ihn auch verstehn. Ständig unter Druck, immer gute Miene zum mediokren Spiel machen. Da kann einem schon mal am Hör-Sprachrohr die Sicherung durchgehen.
Tram 1 kommt, hält und fährt ab. Freunde ins Gespräch vertieft.
Karl: ja, schon ok. Aber da hat er sich doch voll vergallopiert. Und hinterher bleibt er ohne jedes Unrechtsbewusstsein!
Heinz: Er hat ja auch gegen kein Recht und Gesetz verstoßen.
Karl: Aber gegen Anstand, Sitte, Würde des Amtes …
Heinz: Ja, ok.
Karl: … Sprachhygiene, Logik, Ethik …
Tram 2 kommt, hält und fährt ab. Freunde ins Gespräch vertieft.
Heinz: Schon, aber …
Karl: Professionalität, staatsbürgerliche Demut, Verantwortungsbewusstsein …
Heinz: Aber denkt denn hier keiner an seine Verdienste?
Karl: Welche genau?
Heinz: Also, die Sache mit den Muslimen.
Karl: Ja, da war dann mal das!
Heinz: Dass der Islam ja auch zu Deutschland gehört.
Karl: Mhm.
Heinz: Und dann noch …
Karl: Jaaa?
Heinz: Also, er ist schon auch irgendwie sehr repräsentativ. Weniger sprachlich oder inhaltlich, mehr so im Ganzen gesehn. Auch so mit Gattin im Schlepp.
Karl: Tja, ok … und sonst?
Heinz: Zugegeben, den großen Impact hatte er noch nicht. Trotzdem!
Karl: Trotzdem was?
Heinz: Trotzdem ist die Reaktion übertrieben. Übertrieben, maßlos und hysterisch.
Karl: Hysterisch? Na, ich weiß nicht!?
Heinz: Klar hysterisch, mein Freund. Hysterische Bürger eines hysterischen Landes aufgepeitscht von einer sensationsgeilen und kampagnenbesessenen Presse wollen seinen Kopf.
Karl: Nee, nur seinen Rücktritt.
Heinz: Aber das ist doch nun wirklich eine hysterische Reaktion!
Karl: So wie die des Präsidenten am Telefon?
Heinz: Genauso.
Karl: Ein hysterisches Volk und ein hysterischer Präsident! Passt! Wie Faust aufs Auge.
Heinz: Siehst Du? Da haben sich doch zwei gefunden, die sich verdienen.
Karl: So gesehen: Korrekt.
Tram 3 kommt, hält, Freunde steigen ein. Tram fährt ab.
später Tram (innen)
Karl: Und was machst Du jetzt mit dem Versicherungsmakler?
Heinz: Dem geb ich ordentlich Zunder. Wie gesagt, den werde ich wulffen!
Karl: Du drohst mit dem Anwalt?
Heinz: Nee, mein bester. Mit der BILD-Zeitung!
Karl: I werd hysterisch.
Freunde lachen …
Wer hätte das gedacht. Niemand, noch nicht einmal Günther Jauch will “Wetten, dass…?” moderieren. Da haben wir ein besseres Jobangebot für den Günther in diesen doch so aufregenden Zeiten: Er kann DFB-Präsident werden. Geübt hat er ja schon beim Fußball, der liebe Günther. Den Torbruch im Santiago-Bernabeu-Stadion hat er zusammen mit Marcel Reif meisterhaft kommentiert. Ein wahres Traumgespann. Vielleicht auch für den DFB? Günther quasi als Torwächter und Marcel als Abräumer vor dem Kasten. Was für ein Team. Denn Günther ist überparteiisch und unbestechlich. Auf keiner Tribüne wurde er mit Fanschal gesichtet. Eine Lieblingsmannschaft ist nicht bekannt. Und die beste Voraussetzung, Nachfolger von Theo Zwanziger zu werden? Als besonders sportlich ist er bislang nicht in Erscheinung getreten.
WERDEN.
wie schön, wenn wir etwas WERDEN.
WERDEN wir etwas, dann sind wir.
wir sind zum beispiel verwirrt.
gut, dass es dann schilder gibt,
die unsere verwirrung beseitigen
und nach WERDEN führen.
dort, im WERDEN, liegt dann das SEIN
an der ersatzhaltestelle können wir schließlich SEIN,
uns gemütlich hinsetzen und dann WARTEN
wir warten dann wieder auf’s WERDEN
danke, liebe schilder, dass ihr uns den weg weist!
werden-sein-warten-werden-sein-warten: mehr Schilder auf die Straßen!
War unlängst mit Freunden unterwegs. War funspass, war old times, war kurzmomentig großartig. Das musste man natürlich sofort fotografieren, abbilden, festmachen. Und dann sozial publizieren, vernetzwerken und somit unsere gemeinsamen Erinnerungsfragmente quasi globalisieren und universell zugänglich und verfügbar machen. Auf dem Rechner, auf Arbeit, im Urlaub, im ach so smart-Phone überall und jederzeit. Super eigentlich.
Denn so hat man die Vergangenheit immer dabei. Natürlich nur die Highlights, das aus dem Rahmen gefallene, das Herausragende. Immer wieder, immer irgendwie auch gleich, letztlich so eine Art gesammelte Nachspeisen ohne Hauptgänge. Was nämlich nicht festgehalten wird, wird damit gleich grauschleirig und unwichtig. Und ist in dem Moment schon vergangen und verflüchtigt wo es passiert, fließt ins Ungefähre, ins Vergessen, also ins Nirvana …
Doch immerhin bleibt somit eine Art “Best of”-Version des eigenen Lebens erhalten. Immer abrufbar, auf Knopfdruck … äh Quatsch auf touchpoint. Aber Moment mal. Ist das so? Halten wir die Momente, die uns wichtig sind tatsächlich fest, indem wir sie einfrieren, Pixel für Pixel? Funktioniert das wirklich?
Kaum. Der Versuch des Festhaltens an sich löst uns bereits von der momentanen Einmaligkeit. Der Moment wird somit instrumentalisiert. Der Augenblick wird nicht mehr gelebt sondern in seiner Reproduzierbarkeit einer Art “Memory Lane … weisst Du noch damals”-Funktion unterworfen. Das Paradoxon: gerade weil wir Momente festhalten, vereinnahmen und ewig gültig machen wollen, verflüchtigen sie sich schon im selben Augenblick, weil nicht der unique Moment sondern seine letztlich austauschbare Anwendung als programmatische Erinnerungseinheit alles auratische, schwer greifbare und letztlich Entscheidende am Moment vernichtet.
Erinnerungsfabriken wie Facebook oder Youtube ermöglichen zwar scheinbar eine unendliche Speicherung der Höhepunkte des Selbsterlebten. In Wahrheit nivellieren sie jedoch das unique Erleben und machen unser Erlebtes austauschbar. Man muss sich nur einmal durch die sozialen Netzwerke klicken um festzustellen, wie wenig Eigenständiges, Unvergleichbares und über sich selbst hinaus Gültiges dort anzutreffen ist.
Diese Kulturkritik wurde nicht gesponsored von der Aktion Maschinenstürmer 2.0
Dem libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi ist es noch immer nicht gelungen, Rebellenstützpunkte in seinem Land einzunehmen. Bislang noch unveröffentlichte Nato-Bilder aus Misrata bringen jetzt Licht ins Dunkel, warum Gaddafis Truppen offenbar so erfolglos sind. Die Nato konnte diese Wasser-Maschinenpistolen (siehe oben) sícherstellen, die Gaddafi wahrscheinlich vom israelischen Geheimdienst gekauft hatte. Es sind Maschinenpistolen OHNE Wasser. Wie es heißt, hat der Diktator das Missgeschick noch nicht bemerkt, so dass der offensichtliche Umsturz nicht mehr lange dauern dürfte.
Es ist Frühling. Mutmaßlich. Denn er naht. Die Gans hat das Weihnachtsfest überlebt. Sie geht in ein neues, lebensfrohes Jahr. Wir schauen mit Frohsinn auf sie. Wird sie ihr Kleid wieder so wunderschön pflegen wie im vergangenen Jahr? Wirf Dich ins Zeug, mag man ihr zurufen. Sei wachsam! Sei schnell! Pass auf Dich auf! Denn nicht nur der Hund, auch der Fuchs freut sich auf den Frühling.
Ein Hund ist ein Hund ist ein Hund. In Afghanistan bewachen zugelaufene Hunde US-Camps, in den USA sind sie oft Schoßhunde eitler Promi-Girls, in Berlin aber werden sie hergerichtet: in Hundesalons schön gemacht, bis sie zu Wachs erstarren. Ein Hundeleben eben. Wie heißt es so schön in einem albanischen Sprichwort: Ein schwanzloser Hund kann nicht zeigen, dass er sich freut.