
Soll es das jetzt wirklich gewesen sein mit dem verfluchten Krisenjahr 2009?
Ein bisschen Stimmung, ein paar Luftschlangen – Prost und Tschüss?
Stoßen wir also noch ein letztes Mal an, auf den Untergang, der dann noch auf sich warten ließ.
Auf den völligen Zusammenbruch des kapitalistischen Systems, der dann doch nicht stattfand.
Aber wir sollten sie nicht unterschätzen oder etwa vergessen – die Krise, die nun seit über einem Jahr unsere treue Begleiterin ist.
Nehmen wir die Krise also auf in unsere Herzen wie eine ungeliebte Verwandte. Sie wird uns erhalten bleiben.
Doch sie bleibt auch nach wie vor merkwürdig gesichtslos. So blass und schemenhaft, dass man kaum an sie glauben mag.
Sicher, Hunderttausende haben ihre Jobs verloren, die Pleitewelle rollt durch die Unternehmenslandschaft, unzählige bangen oder hoffen noch, dass sie verschont würden.
Doch die Läden sind voll, die Stimmung ist prima – und keiner tanzt auf dem Vulkan.
Trotzdem bekommt die Krise kein Gesicht.
Klar, Teile der Wirtschaft nutzen die Gelegenheit zum Lohndumping und zur Korrektur eigener Managementfehler. Vorneweg der Bankensektor.
Klar, die Politik beschreit das Schreckensgespenst mit markigen Worten, um mit entschlossenem Gesicht unangenehme Wahrheiten verkünden zu können.
Kohlepfennig, Berlinzulage, Soli . Warum soll also die Krise nicht für weitere phantasievolle Steuern gut sein, die – einmal eingeführt – nie wieder abgeschafft werden?
Gleichzeitig fehlt offenbar auch hier jedewede Vision, irgendein Konzept und am allermeisten die Einsicht in Zusammenhänge und Ursachen dieser sogenannten Krise.
Klar, die Medien wiederholen es wie ein Mantra: Die Krise ist da, sie ist noch nicht vorbei, lasst euch nicht täuschen…
Doch auch die Presse kann ihr kein Gesicht geben, es bleibt fragmentarisch und irgendwie nicht nachvollziehbar.
Das alles ist ja auch ein wenig tröstlich, denn wenn es nicht einmal die üblichen Expertenkreise und Meinungsmacher verstehen, müssen wir uns gar nicht erst anstrengen.
Wir feiern einfach weiter. Und hoffen, dass etwas vorbeigeht, von dem viele nicht mal gemerkt haben, dass es da war.
Dann also hoch die Tassen.
Tschüs Krisenjahr – hallo neues Krisenjahr.
Die Krise ist da, heißen wir sie willkommen.