Archiv für September 2008

Geträumte Gespräche mit imaginären Freunden

Montag, 29. September 2008

# 2  An der Theke zu Zweit

 

A: Äh.

F: Was, äh?

A: Äh, nix.

F: Gut.

A: Wie, gut?

F: Na, gut, dass nix is.

A: Warum gut, dass nix is?

F: Du sagtest doch, dass nix sei, als ich dich nach deinem ursprünglichen „äh“ fragte, was denn sei.

A: Warum soll denn das gut sein, dass ich sagte, dass nix is, wenn du mich fragtest, was denn sei, nachdem ich „äh“ sagte. Kann ja auch sein, dass ich mit dem „äh“ eine tief greifende Äußerung voller Weltschmerz in einen seufzenden Ausdruck kleiden wollte, der näher zu beschreiben mir mit Worten nicht möglich war. Heißt also nicht, dass etwa nix is, sondern ist nur der Beweis, dass es halt Dinge gibt, für die man nicht viele Worte machen muss und die der Andere doch zwischen den Zeilen lesend verstehen kann – ganz ohne viele Worte halt.

F: Ah.

A: Was ah.

F: Nix.

A: Gut.

 

GEBURTSTAGS-Traumata

Montag, 29. September 2008

1.) Überschwängliche Eltern, die Filmchen aus der Kindheit hervorkramen oder exakt zur Geburtsuhrzeit anrufen wollen.

2.) Vermeintliche Freunde, die plötzlich überraschend vor der Tür stehen.

3.) Lustige Geschenke wie Tamagochi oder Trockenfisch.

4.) Der Tag an sich.

Zweifelwaffel

Samstag, 27. September 2008

 

Zweifeleisen

Zweifeleisen

Manche Wörter und Leibgerichte sind vom Aussterben bedroht. Zum Beispiel die kaum mehr bekannte “Zweifelwaffel”, die mit dem aussterbenden “Zweifelwaffeleisen” zu Großmutterszeiten gerne zubereitet wurde.

Damals hatte man noch viele Zweifel. Man mixte diese zu einem Zweifelteig und gab Zucker hinzu (was dann zu süßen Zweifeln führte) oder Salz (was dann herzhafte Zweifel ergab). Als Kind naschte man früher gerne mal den Teig - was dann dazu führte, dass uns heute gerne in den frühen Morgenstunden oder beim Einschlafen Zweifel plagen. Die heutige Generation kennt dagegen keine Zweifel. Denn heute werden Zweifel durch das so genannte “Internet” sofort ausgeräumt oder Politiker sagen uns, dass wir keine haben müssen. 

Gerade jetzt habe ich wieder Zweifel, ob das ein guter Beitrag ist. Leider habe auch ich damals genascht und muss nun dafür leiden.

GETRÄUMTE GESPRÄCHE MIT IMAGINÄREN FREUNDEN.

Freitag, 26. September 2008

Träum schön

#1 In der Eckkneipe, kleine Runde

O: Gebraucht werden, ich glaube das ist mir wirklich wichtig!

R: Du meinst das so im Sinne von “wenn ich gebraucht werde, werde ich auch wahrgenommen und kann mich selbst spüren, das gibt mir einen Grund für mein Hiersein“, sowas in der Art?

O: Ja, genau. So hat doch alles einen Sinn. Was soll die ganze Schose denn sonst?

C: Schaut hier, mein Taschentuch ist auch ziemlich gebraucht, aber hat es das auch gewollt? Empfindet es sich jetzt als sinnvoll oder doch nur vollgerotzt? Schwere Frage!

R: Mal im Ernst, gebraucht werden ist doch auch nur ein anderes Wort für benutzt werden. Klar, man wird dadurch der Teil eines Ganzen. Aber der Schritt zum ausgenutzt werden ist klitzeklein.

O: Reine Semantik, mir doch wurst mit welcher Intention jemand etwas von mir möchte. Ich gebe gern, egal ob Du das Ausnutzen oder Brauchen nennst.

C: Also eins ist zumindest klar, Du siehst jedenfalls schon ziemlich gebraucht aus!

O: Na, da dank ich aber.

Alle: Die Dame, bitte noch ne Runde für die Ecke hier!

Dieser Traum wurde gesponsered von: Bier vor vier

Gebrauchslyrik

Donnerstag, 18. September 2008

ich kommentier mich selbst - selbstreflexiv.
kommentier, du tier.
alphatier, alphaville.
wer weiß schon, was ich will.
ich will alles. alles oder nichts.
nichts ist unmöglich.
bloß nie toyota fahren.
schwarzfahren.
schwarzmalen. malen nach zahlen.
wer kann das bezahlen, wer hat das bestellt.
bestellt und nicht abgeholt.
bestellhotline, o900er nummer, was kostet die welt.
weltschmerz, schmerztablette. da hilft kein aspirin.
nur der kopfschmerz bleibt.
mir platzt der kopf, kopflos, loslassen, losgehen. aber wohin.
ziellos, mutlos, kraftlos, rubbellos, dauerlos.
dauernd breit, breitbandkabel.
kabelanschluss, anschlussgebühr.
gebühr nicht bezahlt, leitung gesperrt.
pech gehabt. ab jetzt nur noch schwarzsehen.
auf wiedersehen.

 

Magie

Mittwoch, 17. September 2008

Welche Magie geht von diesem Gegenstand aus.

Brachial nur auf den ersten Blick, eröffnet er dem geneigten Betrachter bei genauerem Hinsehen eine Welt voller Gefühle, Sensualität und Hingabe. Welch erotischer Schwung umspielt die kräftigen Reifen, welch ausdrucksstarkes Profil sucht den Dialog mit dem Betrachter. Die unbändige Kraft des rohen Stahls, überzogen von einem hauchdünnen Makeup in Orange. Verletzlich bei aller Direktheit, sucht zu gefallen auf die ihm eigene rustikale Art. Kokettiert mit seinem Alter (25 - wer hätte das gedacht?) und spielt mit unseren Erwartungen. Schmuckvolle Details, verschämt verborgen hinter der Maske der schieren Gewalt. Fast fleht er um unsere Zuneigung, doch anbiedern braucht er sich nicht. Zu stolz, zu unbändig seine Lebenslust. Schüchtern berühren wir das kalte Metall, fühlen die prägnanten Linien. Die kleinen Fehler, die ihn so sympathisch machen. Und doch müssen wir weiterziehen. Weiter durch die dunkle Nacht. Ach, welch flüchtiges Abenteuer, welch vergängliches Sehnen - es soll nicht sein, dieser Liebe wäre keine Zukunft beschieden.

Doch nie werden wir ihn vergessen, diesen sinnlichen Zauber, der uns für den Moment umfing…

Marktlücke

Mittwoch, 17. September 2008

Unter der Rubrik “Erotik, sonstiges” eines bekannten Stadtmagazins fand ich neulich folgendes Inserat:

“Die diskrete Dienstleistung: Anonym, sauber, zuverlässig.

Stundenweise Vermietung von Geräten zur Ausübung der geschlechtlichen Vereinigung. Garantiert nur standfeste Geräte. TÜV-geprüft. Mitzubringen: Handtücher. Kaution 100 €. Jetzt spezielle Einführungsangebote! Achtung: Verhütungsmittel und Hygieneartikel sind nicht im Preis enthalten.”

Tage wie dieser

Dienstag, 16. September 2008

Tage wie dieser sind dann einfach vorbei,

wenn man sich in sein Bett legt und eingeschlafen ist.

Das ist gut so, denn dann kann ja ein neuer Tag wie dieser beginnen,

wenn man aufwacht und aus dem Bett steigt.

So geht das dann weiter und irgendwann bleibt man dann einfach liegen.

Neue Wörter braucht das Land: Drailing

Samstag, 06. September 2008

Eine neue Wortschöpfung hat die deutsche Sprache erreicht: drailing. Das ist die sprachliche Verschmelzung für die betrunkenen E-Mail-Schreiber, die uns Nacht für Nacht nerven, das drunken mailing. Auf diese Weise sind aber wunderbar viele neue Wortungetüme denkbar. Zum Beispiel: draffiting für drunken graffiti painting, oder drorking für drunken working. Auch droving, drucking oder dristing können schon bald den deutschen Duden bereichern. Ungezählte Möglichkeiten bieten sich, Einfluss auf unsere schöne deutsche Sprache zu finden. Nur eins bleibt - und wir meinen natürlich, dass das ziemlich bedenklich ist - das, was es bisher schon war: Wer nüchtern, aber auch betrunken Auto fährt, ist unisono ein: Driver.

Ich bin raus!

Donnerstag, 04. September 2008

WHAAM, die “Wir Hassen ALLES Am Meisten”-Kolumne auf SKB!

Heute: “Ich bin raus!”

Es ist ohnehin selten ein Vergnügen, sich in Berlin von A nach B zu bewegen. Völlig unabhängig davon ob man mit dem PKW (Dauerstau, zu Zeiten Mompers schon eingerichtete Endlosbaustellen, Problemfahrer) oder mit dem Rad (Todeskante Strassenbahnschiene, Fussgängerslalom auf Radspur, Ampelphasen mit Rotgarantie) oder eben dem ÖPNV unterwegs ist.

Hier sind es besonders die olfaktorischen Eindrücke in der S-Bahn (individuelles MischMasch aus Verwesungs-, Jahrhundertschweiss- und Erbrochenemgestank) und die “Wir spielen heute die Flucht aus Schlesien Januar 45″-Gedränge in der “STOSS”!!!-zeit mit zurecht übellauigen Fahrgästen, die sich ständig bei Be- und Entschleunigung der U-Bahn auf die Füsse treten und dann gerne an exponierten Körperteilen ihrer Mitmenschen festhalten, welche jede Nahverkehrsfahrt zu einer Folterolympiade machen.

Doch wer denkt, beim Ausstieg ist dann auch alles vorbei, der irrt! Denn jetzt kommt die Zeit der STEHENBLEIBER. Ein Schritt vor die Wagentür … und dann kommt lange Nichts. Kein anderer Fahrgast kommt vorbei, kein anderer kann also auch rauskommen … für gefühlte zweieinhalb Minuten.

Es gilt drei Typen zu unterscheiden:

1. Orientierungslose
Anzeichen: Hektisches Kopfhinundherwenden
Verbreitung: Urbanes, touristisches Zentrum
Abhilfe: ungefragtes Mitnehmen zum Zielort (muss ja nicht ihrer sein)

2. Durchatmer
Anzeichen: nehmen erst mal ganz entspannt ein paar tiefe Züge Frischluft ein
Verbreitung: in ganz Berlin lokal endemisch
Abhilfe: die auf Berliner Bahnhöfen immer griffbereiten Penner einfach mal spontan mit den Durchatmern auf Tuchfühlung bringen

3. Gruppenreisende
Anzeichen: egal ob Kegelclub “Fette Schnecke” oder anglo-americano-australische “binge drinking kids” - es steigt immer erst eine Vorhut aus, dreht sich noch im Aussteigen um und lotst gestenreich aber in Zzzzeeeeeiiiitttlluuuuuuuupe den Resttrupp aus der Bahn
Verbreitung: Szenekieze mit Strahlkraft
Abhilfe: hier hilft nur rechtzeitiger Wagenwechsel

Business-Idee #1: Orientierungskurse für Stehenbleiber


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