Archiv für Januar 2009

Sansibar - die ganze Wahrheit

Samstag, 31. Januar 2009
Sansibar, der Grenzstein

Sansibar, der Grenzstein

Sansibar, dieser Name verheisst das Paradies auf Erden! Spätestens seit Alfred Anderschs “Sansibar oder der letzte Grund” steht Sansibar für einen utopischen Ort mit einer besseren Zukunft. Beim Wort Sansibar allein trägt einen die Sehnsucht fort in die blaue Ferne, wie von Hans Albers besungen. Und Achim Reichel sang entrückt “Hab die ganze Welt gesehn von Singapur bis Aberdeen, wenn du mich fragst wo’s am schönsten war, sag ich Sansibar.” Unter Kokospalmen an endlosen Stränden von mokkabraunen Schönheiten mit den nötigen Mixgetränken versorgt zu werden und dabei nur das Plätschern des indischen Ozeans zu hören. Wunderbar!

Soviel zur Dichtung, doch wie ist es wirklich, das Sansibar unserer Tage? Sonntags keine Brötchen hat weder Kosten noch Mühen gescheut und ist einfach mal hingefahren.

Nach einer umfangreichen, vierminütigen Internetrecherche lagen die wichtigsten Fakten vor: Sansibar ist eine Inselgruppe an der Ostküste Afrikas. Das Klima ist maritim, im Dezember und Januar wird es am wärmsten, die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 26,5 °C. Das Kulturgebiet ist tropisch. Die Sansibari bestehen aus Afrikanern, Indern, Persern und Arabern.

Anreise
Die Reisezeit lag fest, es würde Dezember werden, bei denkbar ungünstigen, weil besonders heissen Temperaturen. Nachdem Schiffsreisen durch die Piraterie am Golf von Aden und vor Somalia sich als zu gefährlich erwiesen und Flugreisen bei Preisen von 800 Euro knapp über dem SKB-Reisejahresbudget lagen, war Kreativität und Mut zur (Anreise-)Kürze geboten. Schliesslich spielte uns der Zufall den Busfahrplan der Nordseeinsel Sylt in die Hände. Und da stand schwarz auf weiss, dass man von Westerland mit der Linie 2 kurz hinter Rantum und nach einem kleinen Schlenker über Samoa das Paradies Sansibar erreichen kann. Der Reisepreis von 2 Euro wurde gerade noch vom SKB-Reisebudget gedeckt und schon ging es los …

Gastliches Sansibar

Gastliches Sansibar

Erste Entdeckungen
Schon direkt nach dem Ausstieg aus dem Bus erwies sich die vom Reiseautor gewählte Kleidung (kurzärmliges Hawaihemd, Shorts, Adiletten) als nicht ganz optimal. Bei frostigen 2 Grad Celsius und stürmischem Westwind zeigte Sansibar eine überraschend arktische Witterung. Doch nicht nur das Klima wurde in der eingängigen Reiseliteratur völlig falsch beschrieben. Auch die Einwohner der Insel waren keineswegs so multikulturell geprägt, wie uns die Literatur glauben machen will. Die einzigen Menschen von dunkler Hautfarbe waren zwei Solariumbetreiber aus Delmenhorst und das arabischste an Sansibar war ein Zwergpudel namens Ali, der auf dem Schoss einer Düsseldorfer Boutiquenbesitzerin drapiert wurde.

Starke deutsche Präsenz
Unübersehrbar ist der Einfluss deutscher Firmen auf der Insel. Den Grenzstein ziert eine bekannte, deutsche Brauerei. Neben der Staatsflagge weht gleich die Fahne eines grossen, deutschen Autoherstellers und auch die meisten Speisen in der Restaurants könnten genauso gut in Hamburg oder Karlsruhe aufgetischt werden.

Sansibaris Fortbewegungsmittel

Sansibaris Fortbewegungsmittel

Ureinwohner
Jeder männliche Sansibari legt sich im letzten Lebensdrittel metallene, fahrbare Panzer zu, die in ihrer monströsen Präsenz dem Weibchen imponieren und den Anschein von Sicherheit und Souveränität vermitteln sollen. Die Weibchen tragen ihren Pelz gut gepflegt und verströmen einen leicht süsslich-blümeranten Duft, mit dem sie ihrerseits besonders potente Männchen anlocken.

Fazit
Wenn Sie glauben, Sie kennen Sansibar, lassen Sie sich sagen: Sie kennen es nicht. Sansibar ist anders. Und glauben Sie keinesfalls, was Reiseführer schreiben. Glauben Sie Sonntags keine Brötchen. Hier finden Sie die ganze Wahrheit!

Geheime Innovationen

Dienstag, 27. Januar 2009

Wege aus der Wirtschaftskrise weisen uns heute bahnbrechende Erfindungen, die eine schier unersättliche Nachfrage auslösen und damit die Konsumflaute wirkungsvoll mit frischem Wind versehen werden. Vergleichbar mit dem legendären iPhone steht nun offenbar eine weitere Innovation an, auf die die Menschheit lange gewartet hat - der Toaster mit eingebautem Eierkocher.

Diese vage Aufnahme gelang zufällig einem Wirtschaftsspion bei einer Betriebserkundung in der Redaktion einer Gratisbeilage. Deutlich erkennbar ist der am Toaster angebrachte Eierkocher. Genial!!! Davon träumt einfach jeder - in einem Gang toasten und Eier kochen. Warum ist man darauf schon nicht früher gekommen??? Zumal es ja sonntags keine Brötchen gibt und man daher den Toaster verwenden muss. 

Wann der kleine Freund zu kaufen sein wird - wir wissen es nicht. Aber wir sind bereit, dafür den letzten Spargroschen zu opfern!

Alles wird gut!

Dienstag, 13. Januar 2009

Es gibt Hoffnung. Ein Berliner Stadtteilmagazin wirbt mit seinem neuesten Titel auch hoffnungsvoll: Alles wird gut! Gründe dafür gibt es genug. Im Gaza-Streifen kommen weniger Menschen um, als vermutet. Die Konjunkturkrise hat noch nicht alle Branchen erfasst. Und jetzt kommt auch noch die Nachricht, dass die Deutschen wieder spendenfreudig sind. Die Liebknecht-Luxemburg-Demonstration am vergangenen Sonntag erbrachte nämlich 1.993,77 Euro. Den Sozialisten sei Dank. Denn nicht nur das, es wurde noch mehr gesammelt. Die Demonstranten spendeten darüber hinaus 4,01 D-Mark, 200 israelische Schekel, 2 bulgarische Lew, 5 griechische Drachmen, 90 chinesische Yuan, 5 tschechische Kronen, 6 kroatische Kuna, 500 italienische Lira, 6,50 norwegische Øre sowie einen Bonus-Taler für die Apotheke Friedrichsfelde. Alles wird gut!

Worüber wir sprechen, wenn wir von Werten sprechen

Sonntag, 11. Januar 2009
werte

werte

Dann nehme ich meine qWERTz-Tastatur und … schreibe über Werte! Werte also, jeder führt sie ständig im Munde. Eine Wertedebatte reiht sich an die nächste. Vom Wertekodex über Werteverfall bis hin zu Wertberichtigungen spannt sich der Bogen der täglichen Befeuerung mit scheinbar offensichtlichen Wertmaßstäben. Aber wovon sprechen wir eigentlich wenn wir von Werten sprechen? Eine Annäherung.

Wie sind denn Ihre Werte heute so? Wo liegen denn die Bestwerte in Ihrem persönlichen Wertesystem? Auf welchem Grund stehen Ihre Grundwerte? Das können Sie nicht beantworten? Ach, Sie sind Christ? Auf welcher Bewertungsskala lassen sich eigentlich christliche Werte messen? Wieder nichts? Tja, schade eigentlich.

Wikipedia macht uns auch nicht schlauer: In der substantiellen Verwendung ist ein Wert etwas, von dem behauptet wird, dass es in bestimmter Weise und in einem bestimmten Grad zur äußeren oder inneren Existenzerhaltung eines Lebewesens beiträgt, wobei unter Lebewesen ganz allgemein ein System mit einem Überlebensproblem zu verstehen ist. Das soll ein Wert sein? Na prima. Immerhin wissen wir jetzt, das da erstmal ein Problem existieren muss, damit da auch ein Wert ist. Und was nun? Hat das Leben an sich jetzt einen Wert oder nicht? Und auch einen Mehrwert?

Oscar Wilde schrieb: Heutzutage kennen die Menschen von allem den Preis und von nichts den Wert. Stimmt irgendwie. Preise lassen sich bewerten, zuordnen und vegleichen. Aber Werte? Ist ein Wert einfach da oder muss man ihn künstlich herstellen? Gibt es überhaupt Werte ohne den Menschen? Den Wikipedianern scheint ein Lebeswesen auszureichen. Oder ist der Umgang mit Werten doch in Wahrheit menschenexklusiv?

Nur Menschen können zum Beispiel schöpferisch tätig werden (jaja, schon gut … “ER” kann das auch … aber kommen Sie mir jetzt nicht mit acrylmalenden Elefantendamen). Also nochmal, schöpferisch ist er, der Mensch. Und Wertschöpfung ist ein Vorgang, der neue Werte kreiert. Die sind zunächst neuwertig und leiden später dann unter Wertminderung. Wie ist das dann mit einem werthaltigen Fahrschein, der dann aber entwertet wird und doch dadurch erst wertvoll? Verwirrend das Ganze.

Da der Nutzwert dieses Artikels gerade kurz davor ist die äussersten Marginalien des Existenzberechtigungs-Grenzwertes entlangzuschrabben, bitte ich den geneigten Leser um eine milde Bewertung.

Energiekrise

Samstag, 10. Januar 2009

Endlich - nachdem gestern die Sirius Star von Piraten freigegeben wurde, kann Frankreich in den nächsten Tagen wieder den Verkehr aufnehmen.

Dieser war komplett zum Erliegen gekommen, als Somalische Piraten den Mega-Tanker kaperten. Nach Zahlung eines Lösegeldes in Millionenhöhe nahm dieser gleich wieder seine Fahrt auf. Wann allerdings der Verkehr in Frankreich seinen Verkehr wieder aufnimmt, bleibt abzuwarten -der Tanker ist ja nicht der schnellste.

Dumm ist, dass nun auch noch die Russen den Gashahn zugedreht haben und bald nicht nur in Frankreich, sondern auch bei uns, die Heizpilze den Rauchern keinen warmen Unterschlupf mehr bieten werden.

Die Energiekrise wird also immer mehr zu einem Problem für die Laster aller Art - auf der Straße in Frankreich (warten wir, bis zur nächsten Kaperung!), wie in den Lungen von lastergeplagten Rauchern unter kalten Heizpilzen.

Sitzen und Schreiben

Freitag, 09. Januar 2009

Dunkel draußen.
Kalt auch.
Was mach ich jetzt?
Weitersitzen und Weiterschreiben?
Schreibt man eigentlich besser im Sitzen?
Wahrscheinlich.
Im stehen, das wär ja blöd.
Also im sitzen, ganz klassisch.
Aber was schreib ich?
Nur so übers Schreiben im Sitzen?
Oder übers Schreiben als Solches und im Allgemeinen?
Fällt mir nix zu ein, sollte mich vielleicht hinstellen.
Im Stehen denkt es sich einfach besser.
Nachdenken im Stehen, schreiben im Sitzen.
Das ist die perfekte Mischung.
Also stell ich mich hin und denke drüber nach, was ich dann im Sitzen schreiben könnte.
Erstmal Pause machen.
Pause vom Nachdenken.
Und hinsetzen.
Muss ich dann gleich anfangen, drüber zu schreiben?
Aber mir ist ja noch gar nix eingefallen.
Ich sitz ja nicht zum Schreiben, sondern nur, weil ich Pause vom Denken mache.
Ich denke, wenn ich nicht denke, darf ich auch einfach mal so sitzen, ohne zu schreiben.
Schön.
Entspannt.
Immer noch kalt draußen.
Und dunkel.
Ich mach mal Feierabend.
Im sitzen.
Morgen stehen wir weiter.
Und dann sehen wir weiter.
Sitzend.

Gerettet!

Freitag, 02. Januar 2009

Nach diversen Schutzschirmen, die im Zuge der Wirtschaftskrise gespannt wurden, konnte größeres Unheil nun im Bezirk Schöneberg abgewendet werden. Das Bezirksamt hat gerade noch rechtzeitig einen Schutzschirm gespannt, der seine Bewohner nun sicher vor der Krise schützen wird. Im Unterschied zu den farblosen Schirmen ist dieser schön bunt geraten und trägt damit sehr zur Aufhellung des ansonsten häufig grauen Himmels bei.

Danke, lieber Bezirk!


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