Sansibar - die ganze Wahrheit
Sansibar, dieser Name verheisst das Paradies auf Erden! Spätestens seit Alfred Anderschs “Sansibar oder der letzte Grund” steht Sansibar für einen utopischen Ort mit einer besseren Zukunft. Beim Wort Sansibar allein trägt einen die Sehnsucht fort in die blaue Ferne, wie von Hans Albers besungen. Und Achim Reichel sang entrückt “Hab die ganze Welt gesehn von Singapur bis Aberdeen, wenn du mich fragst wo’s am schönsten war, sag ich Sansibar.” Unter Kokospalmen an endlosen Stränden von mokkabraunen Schönheiten mit den nötigen Mixgetränken versorgt zu werden und dabei nur das Plätschern des indischen Ozeans zu hören. Wunderbar!
Soviel zur Dichtung, doch wie ist es wirklich, das Sansibar unserer Tage? Sonntags keine Brötchen hat weder Kosten noch Mühen gescheut und ist einfach mal hingefahren.
Nach einer umfangreichen, vierminütigen Internetrecherche lagen die wichtigsten Fakten vor: Sansibar ist eine Inselgruppe an der Ostküste Afrikas. Das Klima ist maritim, im Dezember und Januar wird es am wärmsten, die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 26,5 °C. Das Kulturgebiet ist tropisch. Die Sansibari bestehen aus Afrikanern, Indern, Persern und Arabern.
Anreise
Die Reisezeit lag fest, es würde Dezember werden, bei denkbar ungünstigen, weil besonders heissen Temperaturen. Nachdem Schiffsreisen durch die Piraterie am Golf von Aden und vor Somalia sich als zu gefährlich erwiesen und Flugreisen bei Preisen von 800 Euro knapp über dem SKB-Reisejahresbudget lagen, war Kreativität und Mut zur (Anreise-)Kürze geboten. Schliesslich spielte uns der Zufall den Busfahrplan der Nordseeinsel Sylt in die Hände. Und da stand schwarz auf weiss, dass man von Westerland mit der Linie 2 kurz hinter Rantum und nach einem kleinen Schlenker über Samoa das Paradies Sansibar erreichen kann. Der Reisepreis von 2 Euro wurde gerade noch vom SKB-Reisebudget gedeckt und schon ging es los …
Erste Entdeckungen
Schon direkt nach dem Ausstieg aus dem Bus erwies sich die vom Reiseautor gewählte Kleidung (kurzärmliges Hawaihemd, Shorts, Adiletten) als nicht ganz optimal. Bei frostigen 2 Grad Celsius und stürmischem Westwind zeigte Sansibar eine überraschend arktische Witterung. Doch nicht nur das Klima wurde in der eingängigen Reiseliteratur völlig falsch beschrieben. Auch die Einwohner der Insel waren keineswegs so multikulturell geprägt, wie uns die Literatur glauben machen will. Die einzigen Menschen von dunkler Hautfarbe waren zwei Solariumbetreiber aus Delmenhorst und das arabischste an Sansibar war ein Zwergpudel namens Ali, der auf dem Schoss einer Düsseldorfer Boutiquenbesitzerin drapiert wurde.
Starke deutsche Präsenz
Unübersehrbar ist der Einfluss deutscher Firmen auf der Insel. Den Grenzstein ziert eine bekannte, deutsche Brauerei. Neben der Staatsflagge weht gleich die Fahne eines grossen, deutschen Autoherstellers und auch die meisten Speisen in der Restaurants könnten genauso gut in Hamburg oder Karlsruhe aufgetischt werden.
Ureinwohner
Jeder männliche Sansibari legt sich im letzten Lebensdrittel metallene, fahrbare Panzer zu, die in ihrer monströsen Präsenz dem Weibchen imponieren und den Anschein von Sicherheit und Souveränität vermitteln sollen. Die Weibchen tragen ihren Pelz gut gepflegt und verströmen einen leicht süsslich-blümeranten Duft, mit dem sie ihrerseits besonders potente Männchen anlocken.
Fazit
Wenn Sie glauben, Sie kennen Sansibar, lassen Sie sich sagen: Sie kennen es nicht. Sansibar ist anders. Und glauben Sie keinesfalls, was Reiseführer schreiben. Glauben Sie Sonntags keine Brötchen. Hier finden Sie die ganze Wahrheit!
Verwandte Artikel
Tags: Afrika, Alfred Andersch, Hans Albers, Panzer, Reise, Sansibar, Wahrheit














02. Februar 2009 um 17:15
Hinzugefügt sei hier, dass im Zuge multikultureller Brüderlichkeit
erweiterte sansibarische Territorialansprüche gen Sibirien beobachtet
werden. So kann auf Luftschiffen der Hauptstadtlinie die traditionell
exotische Küche des Landes erlebt werden - ein Dreigestirn aus Eingeborenen (Herbert, Dietmar, Axel, Betreiber des vom Autor besuchten gastlichen Sansibar) kreierten eindrucksvoll landestypische Schlemmereien wie die Kultcurrywurst oder Tortelloni. Für die kleinen Gourmets gibt es a la carte Chicken Nuggets mit Kartoffelpü und Minimöhren. Ein leckerer Roter aus dem sansibarischen Hinterland (Schwaben) sorgt für die richtige Atmosphäre und auch die Carte ist in edlem Naturplastik gehalten, hygiene- und klimatechnisch einwandfrei tropentauglich.
Auch südländisch ausgelassenes Temperament war beim Sansibarischen
Expeditionskorps in Hülle und Fülle vorhanden (Köln - Barcelona, Brückenkopfoperation in Mallorca).
Schlussendlich muss noch auf die selbstbewusst zur Schau gestellte neue
sansibarische Souveränität hingewiesen werden. So machte airberlin-Chef
Hunold, eingefleischter Sansibari und ausgestattet mit dem untrüglichen Gespür für Takt und Charme, das dem Hauptstädter quasi zweite Natur ist,
den Provinzlern in Barcelona und Palma unmissverständlich klar, dass der
katalanischen Kleinstaaterer auf airberlin-Flügen kein Vorschub geleistet wird. In Spanien kann schliesslich doch wohl ordentliches Spanisch gesprochen werden - oder natürlich Sansibarisch. Als Herr Franco noch Spanien regierte, war Katalanisch ja auch kein Thema. Sicher gelandet sind wir trotzdem, die Furcht vor einer sansibarischen Strafexpedition sass offenbar tief.
Es scheint aber, dass wir trotz allem ruhig schlafen können. Da der Sansibari
seinen Platz an der Sonne bereits sicher hat, muss er dafür nichts vom Zaune brechen.
In diesem Sinne beste Grüsse in die Hauptstadt,
Commander
p.s.: Das Auge isst mit! Sansibarische Köstlichkeiten bei airberlin guckst
Du hier:
http://www.airberlin.com/site/landingpages/airberlin_gourmet_menu.php?LANG=deu
04. Februar 2009 um 09:51
Ah, die gute alte Tradition des Reiseberichts. Goethe, Scholl-Latour, SKB.
Eine große Ahnenreihe wird fortgesetzt - schön!
Ich erwarte mindestens das Gleiche aus Malaga…
02. März 2009 um 08:23
Um deinen Alfred Andersch Zusammenhang etwas auszuführen, das Buch spielt aber nicht in Sansibar, sondern vielmehr im Ostseebad Rerik.