Archiv für März 2009

How long is now?

Dienstag, 31. März 2009
How long is now

How long is now

Ein kurzer Moment, ein Augenblick, wir nennen es die “Gegenwart” oder das “Jetzt”. Aber ist es das wirklich? Können wir es auch als solches wahrnehmen? Ist nicht schon in dem Moment des Gegenwärtigen Zeit vergangen, bevor wir uns dem Jetzt überhaupt gewahr werden? Und ist es damit nicht schon Vergangenheit? Schlimmer noch UNSERE Version der Vergangenheit, weil wir den Moment nur aus unserer Perspektive und kontextuell wahrnehmen können oder besser sequentiell. Denn für uns ist die Zeit kein stetiger Fluss, sondern eine Zusammenfassung von Wahrnehmungshäppchen, die wir letztlich nur “historisch” betrachten können.

Also was ist das Jetzt und wie lange dauert es?
In der Wahrnehmungsforschung ist es Konsens, dass der Mensch 3 Sekunden benötigt, um die Gegenwart wahrzunehmen. Alle drei Sekunden fragt das Gehirn also ab, was es neues gibt. Diese episodenhafte Abfolge wird dann im Hirn montiert und so ein Zeitfluss konstruiert. Der Münchner Gehirnforscher Ernst Pöppel beschreibt, dass sich der Mensch gewissermassen durch die Zeit stottert.

Aber widerspricht das nicht unserer täglichen Wahrnehmung, wie wir Menschen interagieren? Im Strassenverkehr, im Sport, in Diskussionen, wie können Menschen “geistesgegenwärtig” aufeinander reagieren? Wahrscheinlich gar nicht. Wenn man einmal überlegt, wie oft Menschen während eines Gespräches aneinander vorbeireden, so kommt man schnell auf den Gedanken, dass der einzelne nur Wahrnehmungen zeitlich vorherliegenden Ursprungs verarbeitet hat und in der Replik auf soeben Gesagtes quasi blind und taub ist. Soviel zur Wahrnehmung.

Doch kann man den Moment leben?
Ja. Wenn man Afrikaner ist. Oder wenigstens aus dem Mittelmeerraum kommt. Hier wird das Jetzt gelebt, ausgenutzt bis in den Nanobereich und permanent gefeiert. Wir Deutsche sehen die Gegenwart immer im Kontext der Bewältigung von Vergangenem UND GLEICHZEITG der Planung des noch zu Erledigenden. Wir sind eigentlich nie im Jetzt angekommen (sportliche, sexuelle und drogeninspirierte Extremumstände einmal ausgenommen)! Wir klammern es aus, weil wir zu busy sind, das Morgen zu planen, so vergessen wir das heute (das Jetzt ist für uns ein “flüchtiger Augenblick”, quasi ein Ausbrecherkönig der Gegenwart).

Die Tatsache, dass ich hier über die Gegenwart philosophiere und mich nicht seelebaumelnd dem Jetzt hingebe, weist mich als Zugehöriger des eben beschriebenen Kulturkreises aus. Ich bin Teil des Problems, aber wie kann ich Teil der Lösung sein? Wenn es - ganz unpathetisch gemeint - etwas gibt, das wir unseren Kindern mitgeben sollten, dann das einfache, kontextlose, frei schwebende Auskosten des Moments. Kinder müssen das nicht lernen. Sie machen das nämlich ganz automatisch. Doch in der Knochenmühle des Lebens wird es ihnen Stück für Stück abtrainert. Und was Hänschen noch kann, lernt Hans nimmermehr.

FEIERTAGE-Traumata

Freitag, 13. März 2009

1.) Karneval, Rosenmontag, Fasching - das war noch nie lustig

2.) Muttertag - wegen des Erwartungsdrucks

3.) Christi Himmelfahrt - was ist das eigentlich?

Brandenburg stirbt aus

Montag, 09. März 2009
Kein Sex mit Nazis

Kein Sex in Rangsdorf

Zunächst einmal ein kurzes aber kräftiges Chapeau! für die Initiatoren der Kampagne “Kein Sex mit Nazis”. Sie wollen das Gute, sie wollen das Richtige. Und das ausgerechnet auf der braunen Scholle der Mark Brandenburg. Respekt!

Doch mal angenommen die holde, märkische Weiblichkeit hält sich an die Vorgabe. Kein Sex mit den Bräunlingen, also auch kein Nachwuchs in diesem ansonsten konstant steigenden Bevölkerungsteil. Brandenburg, das schon heute an den Rändern langsam hinwegsiecht, könnte zu einer öden, leeren Sandwüste verkommen.

Was meinen Sie? Gar nicht so schlimm? Ist doch heute auch schon sterbenslangweilig im Lande? Und immerhin wären wir die Neonazis in diesem Bundesland dann perspektivisch los?!

Jetzt, wo Sie’s sagen. Weitermachen (mit Aufhören)!

Fliegende Bierflasche

Mittwoch, 04. März 2009

Die fliegende Bierflasche hat das spanische Festland erreicht. Auf ihrem Flug über Europa hat sie in Andalusien stopp gemacht, wo, wie hier, Warnzeichen vor dem Flugobjekten am Strand hängen. Fliegende Bierflaschen haben eine lange Tradition. Betrunkene haben früher ihre Flaschen gegen Sachobjekte geworfen, um ihrem Frust Ausdruck zu geben. Zum Beispiel gegen Häuserwände - auch gegen die des Vermieters. Neuerdings richten sich Flaschenwürfe allerdings meist auf bewegliche Ziele. Erst vor kurzem sind im hessischen Korbach Pferde auf einer Koppel mit Bierflaschen beworfen worden. Seit einiger Zeit hat es sich vor allem am Mauerpark in Mitte zu einem Ritual entwickelt, die Walpurgisnacht mit fliegenden Bierflaschen gegen Polizeibeamte zu begehen. All dies kann eines nicht verdecken: Fliegende Bierflasche hin oder her - von allein fliegend ist sie bisher noch nicht gesichtet worden.


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