Archiv für Juni 2009

Politisch korrekt

Samstag, 20. Juni 2009

AIDS, Zwangsheirat, Parkraumbewirtschaftung, Altersstarrsinn, Weltwirtschaftskrise, Bayern München, Servicewüste, Gesundheitssystem, Abwrackprämienchaos, Hartz IV, Haarausfall, Telefontarife, Reformstau, Ampelphasen, Neonazis, Autobahnraststätten, Klimaschutz, Frühaufsteher.
Na, die haben sich ja was vorgenommen…

Aber: Versprochen ist versprochen:

Endstation Zeitschleife

Freitag, 19. Juni 2009
Zeitschleifenloop

Zeitschleifenloop

Der Filmheld erscheint rennend und keuchend auf der Bildfläche, er schreit seiner Angebeten zu, in Deckung zu gehen. Doch zu spät, sie wird erschossen. Der Held ist am Boden zerstört, es gibt keine Zukunft mehr… Keine Zukunft? Aber eine Vergangenheit … und die kommt zuhilfe! Denn da tickt der Zeiger schon auf 12:01 und plötzlich zischt und rauscht der Sound, die bildhafte Welt zerstrahlt in schönste Spektren. Cut. Dunkelheit, ein Wecker klingelt penetrant. Der Held erwacht. Es ist wieder der Morgen des selben Tages. Die Zeit ist zurückgesprungen. Eine Zeitschleife. Der Held kann seine Schöne heute wieder retten und retten und retten …

Ich bin kein Held. Aber ich fahre Tram. Sie fragen sich sicher, was das eine mit dem anderen zu tun hat? Ne Menge, für mich zumindest, denn ich bin in einer Zeitschleife der anderen Art gefangen, also die Geschichte geht so:

Ich fahre gerne Tram in Berlin, Lieblingslaunchstation “S Friedrichsstrasse”, M1 oder 12 Richtung P-Berg. Von der Stadtbahn kommend sehe ich immer schon von weitem das Laufband, das ich - ganz digitaler Bildungsbürger -  sobald nähergetreten reflexartig begutachte, um mich auf den neuesten Newsstand zu bringen (es ist ja schon 13 Minuten her, seit ich meinen Rechner zugeklappt habe, da kann es schon wieder mehrere Unternehmenszusammenbrüche, SPD-Krisen oder Trainerselbstentlassungen gegeben haben, OHNE dass ich es weiss). Also ich zoome sofort auf den Newsticker, der sich oberhalb des Haltestellenhäuschens (sagt man das heute noch so, klingt sooooo ‘73?) befindet und wundere mich.

Denn in schöner LED-Schrift läuft folgendes durch den Kasten (aus dem Kopf zitiert): BVG und N-TV bringen Ihnen die neuesten Nachrichten. So zum Beispiel am 11.06., da hiess es: +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ Und am 15.06.: +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ … und am 19.06. +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ …

Das ist kein Film. Aber eine Schleife. Eine Endlosschleife. Frau Rudnik bleibt (leider) auch weiterhin tot, der Präsi ist gewählt und das Grundgesetz geht stramm auf die 61 zu. Wie lange wird diese Schleife noch gedreht? Haben wir vielleicht immer noch den 23. Mai und die Welt steht bereits seit Wochen still? Oder ist das evtl. eine Kunstaktion, die uns etwas über den Hyperaktualitäts-Hype der modernen Informationsgesellschaft sagen will? Oder hat einfach ein Mitarbeiter seit fast 4 Wochen gepennt? Naja, bei der BVG …

Gefühlsstau

Donnerstag, 18. Juni 2009

 

 

Na, läuft´s nicht rund?

Ist der Wurm drin?

Mit dem falschen Fuß aufgestanden?

Wo ist der Haken?

Geht mal wieder alles schief?

Und jetzt stehen Sie so richtig unter Dampf?

Jetzt steigt der Druck im Kessel immer weiter an?

 

Tja, da hilft nur eines:

Einfach mal wieder so richtig Druck ablassen.

Alle Ventile öffnen.

Machen Sie sich so richtig frei.

Was raus muss, muss raus!

 

Druck ablassen – welche Fantasien gehen jetzt bei IHNEN ab?

Und was verbirgt sich hinter der freundlich wehenden Fahne?

Finden Sie es heraus – im Drucksalon!

 

 

 

Die Krise ist da und ihre Lösung dort

Sonntag, 07. Juni 2009

Sonntags, Innsbrucker Platz. Kein Ort von dem man vermuten kann, dass sich genau hier die Krise abspielt und die Lösung so tief liegt.

Wo sind die Konsumenten, die so dringend gebraucht werden um Karstadt, Porsche und Opel zu retten? Sie sind HIER!

Unglaubliche Szenen spielen sich bei L* ab: Rentner und Arbeitslose rotten sich am Sonntag auf, um einen Laden zu plündern. Dieser befindet sich unterirdisch, versteckt und so sicher wie ein Atombunker. Im Laden herrscht Chaos. Neonlicht, subtropische Temperaturen - der Laden ist um 12:20 MEZ definitiv überfüllt. Dem Eindruck nach fallen die Konsumenten in 2 (und eine Teil-)Gruppen, die gegensätzlicher nicht sein können:

Gruppe 1: junge, internationale Kampfkäufer, die auf pure Menge aus sind. Unter 2X6X1,5 Liter Trägern mit Noname-Cola verlässt keine Achtjährige den Laden.

Gruppe 2: ältere, einheimische Kampftrinker, die auf Alkohol mit lustigen Farben aus sind. Unter 2 Flaschen “blue currazione” oder “violett spirit” verlässt kein 72 jähriger den Laden.

Dazwischen eine Zwischengruppe, schwer zuzuordnen. Heute eindeutig ein übergewichtiger Wars & Warriors-Spieler auf Entzug. Adäquat dem virtuellen Treiben daheim in der Dunkelkammer, bietet ihm der Laden alles, was im Spiel so real daherkommt. In seinem Tragekarton (Einkaufswagen sind alle im Betrieb): eine Sorte Chips (7 Packungen) und eine Sorte Schoko (ca. 24 Tafeln). Seine Ration für eine Stunde.

Der erleuchtete Beobachter versteht nun den Kern der Wirtschaftskrise.

Der Konsument sucht den Schutz eines unterirdischen Bunkers, um seinen Konsumrausch beinahe unbemerkt ausleben zu können. Hier noch Filialen von Karstadt oder Porsche - es gäbe die Krise nicht mehr! Denn die Lösung der Krise ist ganz einfach - alle Konsumtempel in die Tiefe legen und den dann oben gewonnenen Platz (Rückbau aller Kaufhäuser und Shopping Malls) für Parkplätze nutzen. Außerdem konsequent nur noch sonntags öffnen. Die so erzeugte unterirdische Kaufatmosphäre wird zu sehr schnellen Kaufentscheidungen aller Konsumenten führen - das Geld sitzt in solchem Chaos schon aus reinem Überlebenstrieb sehr locker.


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