Die Krise ist da und ihre Lösung dort

Sonntags, Innsbrucker Platz. Kein Ort von dem man vermuten kann, dass sich genau hier die Krise abspielt und die Lösung so tief liegt.

Wo sind die Konsumenten, die so dringend gebraucht werden um Karstadt, Porsche und Opel zu retten? Sie sind HIER!

Unglaubliche Szenen spielen sich bei L* ab: Rentner und Arbeitslose rotten sich am Sonntag auf, um einen Laden zu plündern. Dieser befindet sich unterirdisch, versteckt und so sicher wie ein Atombunker. Im Laden herrscht Chaos. Neonlicht, subtropische Temperaturen - der Laden ist um 12:20 MEZ definitiv überfüllt. Dem Eindruck nach fallen die Konsumenten in 2 (und eine Teil-)Gruppen, die gegensätzlicher nicht sein können:

Gruppe 1: junge, internationale Kampfkäufer, die auf pure Menge aus sind. Unter 2X6X1,5 Liter Trägern mit Noname-Cola verlässt keine Achtjährige den Laden.

Gruppe 2: ältere, einheimische Kampftrinker, die auf Alkohol mit lustigen Farben aus sind. Unter 2 Flaschen “blue currazione” oder “violett spirit” verlässt kein 72 jähriger den Laden.

Dazwischen eine Zwischengruppe, schwer zuzuordnen. Heute eindeutig ein übergewichtiger Wars & Warriors-Spieler auf Entzug. Adäquat dem virtuellen Treiben daheim in der Dunkelkammer, bietet ihm der Laden alles, was im Spiel so real daherkommt. In seinem Tragekarton (Einkaufswagen sind alle im Betrieb): eine Sorte Chips (7 Packungen) und eine Sorte Schoko (ca. 24 Tafeln). Seine Ration für eine Stunde.

Der erleuchtete Beobachter versteht nun den Kern der Wirtschaftskrise.

Der Konsument sucht den Schutz eines unterirdischen Bunkers, um seinen Konsumrausch beinahe unbemerkt ausleben zu können. Hier noch Filialen von Karstadt oder Porsche - es gäbe die Krise nicht mehr! Denn die Lösung der Krise ist ganz einfach - alle Konsumtempel in die Tiefe legen und den dann oben gewonnenen Platz (Rückbau aller Kaufhäuser und Shopping Malls) für Parkplätze nutzen. Außerdem konsequent nur noch sonntags öffnen. Die so erzeugte unterirdische Kaufatmosphäre wird zu sehr schnellen Kaufentscheidungen aller Konsumenten führen - das Geld sitzt in solchem Chaos schon aus reinem Überlebenstrieb sehr locker.

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