Archiv für 2009

Eine Frage des Selbstbewusstseins

Freitag, 10. Juli 2009

Das deutsch-amerikanische Verhältnis hat schwer gelitten. Der Irak-Krieg des US-Präsidenten George W. Bush war ein tiefer Einschnitt. Und auch jetzt unter dem neuen Präsidenten sieht es nicht wirklich nach einem Neuanfang aus, wenn sich die Amerikaner eher dem Stil des französischen Präsidenten und seiner Gattin Carla Bruni annähern. Da ist es gut, wenn wir wenigstens in einigen Wirtschaftszweigen den “deutsch-amerikanischen Styl” noch immer hochhalten. Stil ist ja immer auch eine Frage des Selbstbewusstseins. Neue Kleider, neue Hosen, neue Anzüge, neue Nägel. Wenn unser Verhältnis zu Amerika verbessert werden soll, darf uns eine solche Anschaffung nicht zu schade sein.

Politisch korrekt

Samstag, 20. Juni 2009

AIDS, Zwangsheirat, Parkraumbewirtschaftung, Altersstarrsinn, Weltwirtschaftskrise, Bayern München, Servicewüste, Gesundheitssystem, Abwrackprämienchaos, Hartz IV, Haarausfall, Telefontarife, Reformstau, Ampelphasen, Neonazis, Autobahnraststätten, Klimaschutz, Frühaufsteher.
Na, die haben sich ja was vorgenommen…

Aber: Versprochen ist versprochen:

Endstation Zeitschleife

Freitag, 19. Juni 2009
Zeitschleifenloop

Zeitschleifenloop

Der Filmheld erscheint rennend und keuchend auf der Bildfläche, er schreit seiner Angebeten zu, in Deckung zu gehen. Doch zu spät, sie wird erschossen. Der Held ist am Boden zerstört, es gibt keine Zukunft mehr… Keine Zukunft? Aber eine Vergangenheit … und die kommt zuhilfe! Denn da tickt der Zeiger schon auf 12:01 und plötzlich zischt und rauscht der Sound, die bildhafte Welt zerstrahlt in schönste Spektren. Cut. Dunkelheit, ein Wecker klingelt penetrant. Der Held erwacht. Es ist wieder der Morgen des selben Tages. Die Zeit ist zurückgesprungen. Eine Zeitschleife. Der Held kann seine Schöne heute wieder retten und retten und retten …

Ich bin kein Held. Aber ich fahre Tram. Sie fragen sich sicher, was das eine mit dem anderen zu tun hat? Ne Menge, für mich zumindest, denn ich bin in einer Zeitschleife der anderen Art gefangen, also die Geschichte geht so:

Ich fahre gerne Tram in Berlin, Lieblingslaunchstation “S Friedrichsstrasse”, M1 oder 12 Richtung P-Berg. Von der Stadtbahn kommend sehe ich immer schon von weitem das Laufband, das ich - ganz digitaler Bildungsbürger -  sobald nähergetreten reflexartig begutachte, um mich auf den neuesten Newsstand zu bringen (es ist ja schon 13 Minuten her, seit ich meinen Rechner zugeklappt habe, da kann es schon wieder mehrere Unternehmenszusammenbrüche, SPD-Krisen oder Trainerselbstentlassungen gegeben haben, OHNE dass ich es weiss). Also ich zoome sofort auf den Newsticker, der sich oberhalb des Haltestellenhäuschens (sagt man das heute noch so, klingt sooooo ‘73?) befindet und wundere mich.

Denn in schöner LED-Schrift läuft folgendes durch den Kasten (aus dem Kopf zitiert): BVG und N-TV bringen Ihnen die neuesten Nachrichten. So zum Beispiel am 11.06., da hiess es: +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ Und am 15.06.: +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ … und am 19.06. +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ …

Das ist kein Film. Aber eine Schleife. Eine Endlosschleife. Frau Rudnik bleibt (leider) auch weiterhin tot, der Präsi ist gewählt und das Grundgesetz geht stramm auf die 61 zu. Wie lange wird diese Schleife noch gedreht? Haben wir vielleicht immer noch den 23. Mai und die Welt steht bereits seit Wochen still? Oder ist das evtl. eine Kunstaktion, die uns etwas über den Hyperaktualitäts-Hype der modernen Informationsgesellschaft sagen will? Oder hat einfach ein Mitarbeiter seit fast 4 Wochen gepennt? Naja, bei der BVG …

Gefühlsstau

Donnerstag, 18. Juni 2009

 

 

Na, läuft´s nicht rund?

Ist der Wurm drin?

Mit dem falschen Fuß aufgestanden?

Wo ist der Haken?

Geht mal wieder alles schief?

Und jetzt stehen Sie so richtig unter Dampf?

Jetzt steigt der Druck im Kessel immer weiter an?

 

Tja, da hilft nur eines:

Einfach mal wieder so richtig Druck ablassen.

Alle Ventile öffnen.

Machen Sie sich so richtig frei.

Was raus muss, muss raus!

 

Druck ablassen – welche Fantasien gehen jetzt bei IHNEN ab?

Und was verbirgt sich hinter der freundlich wehenden Fahne?

Finden Sie es heraus – im Drucksalon!

 

 

 

Die Krise ist da und ihre Lösung dort

Sonntag, 07. Juni 2009

Sonntags, Innsbrucker Platz. Kein Ort von dem man vermuten kann, dass sich genau hier die Krise abspielt und die Lösung so tief liegt.

Wo sind die Konsumenten, die so dringend gebraucht werden um Karstadt, Porsche und Opel zu retten? Sie sind HIER!

Unglaubliche Szenen spielen sich bei L* ab: Rentner und Arbeitslose rotten sich am Sonntag auf, um einen Laden zu plündern. Dieser befindet sich unterirdisch, versteckt und so sicher wie ein Atombunker. Im Laden herrscht Chaos. Neonlicht, subtropische Temperaturen - der Laden ist um 12:20 MEZ definitiv überfüllt. Dem Eindruck nach fallen die Konsumenten in 2 (und eine Teil-)Gruppen, die gegensätzlicher nicht sein können:

Gruppe 1: junge, internationale Kampfkäufer, die auf pure Menge aus sind. Unter 2X6X1,5 Liter Trägern mit Noname-Cola verlässt keine Achtjährige den Laden.

Gruppe 2: ältere, einheimische Kampftrinker, die auf Alkohol mit lustigen Farben aus sind. Unter 2 Flaschen “blue currazione” oder “violett spirit” verlässt kein 72 jähriger den Laden.

Dazwischen eine Zwischengruppe, schwer zuzuordnen. Heute eindeutig ein übergewichtiger Wars & Warriors-Spieler auf Entzug. Adäquat dem virtuellen Treiben daheim in der Dunkelkammer, bietet ihm der Laden alles, was im Spiel so real daherkommt. In seinem Tragekarton (Einkaufswagen sind alle im Betrieb): eine Sorte Chips (7 Packungen) und eine Sorte Schoko (ca. 24 Tafeln). Seine Ration für eine Stunde.

Der erleuchtete Beobachter versteht nun den Kern der Wirtschaftskrise.

Der Konsument sucht den Schutz eines unterirdischen Bunkers, um seinen Konsumrausch beinahe unbemerkt ausleben zu können. Hier noch Filialen von Karstadt oder Porsche - es gäbe die Krise nicht mehr! Denn die Lösung der Krise ist ganz einfach - alle Konsumtempel in die Tiefe legen und den dann oben gewonnenen Platz (Rückbau aller Kaufhäuser und Shopping Malls) für Parkplätze nutzen. Außerdem konsequent nur noch sonntags öffnen. Die so erzeugte unterirdische Kaufatmosphäre wird zu sehr schnellen Kaufentscheidungen aller Konsumenten führen - das Geld sitzt in solchem Chaos schon aus reinem Überlebenstrieb sehr locker.

Alle waren Stasi

Freitag, 22. Mai 2009

Soso, nun war also auch noch der Polizist, der Benno Ohnesorg erschoß, in der Stasi. Die Geschichte der Studentenbewegung muss umgeschrieben werden. Und nicht nur die. Was ist mit dem neuerlichen möglichen Abstieg von Borussia Mönchengladbach aus der Fußball-Bundesliga? Da hat doch die Stasi ihre Hände im Spiel. Oder was ist mit dem Ölpreis, der gerade dafür sorgt, dass wir uns beim Benzin dumm und dusslig bezahlen? Was mit Horst Köhler, der wohl wieder Bundespräsident wird. Und was vor allem war mit Winnie Schäfer, der Berlins Lieblings-Fußballverein Tennis Borussia fast in den Ruin trieb. Alles: Stasi Stasi Stasi. Endlich gibt es eine Erklärung für die Grausamkeiten des Lebens.

Eurovision Song Contest 2012 in Tiflis

Samstag, 16. Mai 2009

Endlich - Deutschland siegt souverän im Song Contest mit dem Duo Hoppi und Poppi vor starken Konkurrenten aus Belgien und Albanien!

Der Song Contest in Tiflis war zwar von einem Nato-Manöver akkustisch zeitweise gestört, aber letztendlich konnten die tieffliegenden Jets nichts gegen den satten Sound von Hoppi und Poppi ausrichten.

Mit dem Lied “Hoppeldipoppel” gelang es - nach dem legendären Erfolg von “Ein bißchen Frieden” von Nicole - der deutschen Band “Hoppi und Poppi”, mit ihrem klaren Televoting-Sieg Europa und den Rest der Welt von der schlichten Eleganz der deutschen Leidkultur zu überzeugen.

Hier Hoppi und Poppi bei ihrem Auftritt in Tiflis - trotz Nato-Manöver im Glückstaumel für Germany - wie schön für unser nationales Ego!

Frühlingsgefühle

Freitag, 24. April 2009
fruhlingsgefuehle-bluehen-auf

fruhlingsgefuehle-bluehen-auf

Was für ein Frühling! Alles blüht, die Sonne lacht, die Röcke werden kurz, die Augen groß und die Herzen weit. Amor bestückt seinen Köcher, Pheromone tränken die Luft mit ihrem verheissungsvollen Äther. Und einige Jungs (und Mädels) packen jetzt wieder den ganz großen Bagger aus.

love is all around

love is all around

Jetzt ist die Zeit in der alle 27 Sinne (danke, Kurt Schwitters) auf vollen Touren laufen. Die Menschen treibt es vor die Tür, ins Grüne und mitten hinein ins Balzverhalten.

Wohin man auch schaut, es gibt nur ein Thema.

Wirklich nur ein Thema.

Flirten, angraben, anbaggern. Das ist das große Spiel. Doch manchmal wird es auch übertrieben. Schockierende Bilder aus dem letzten Jahr belegen, wie das wilde Anbaggern wirklich tiefe Furchen in Berlins Mitte hinterlassen hat.

Der Beweis:

Aussterbende Arten

Sonntag, 12. April 2009

Enten sind akut vom Aussterben bedroht!

Der BILD-Beweis:

Entenweibchen hat …

… keine Lust auf Erpel….

Die Folgen werden fatal sein. Keine Entenfütterung mehr, kein fröhliches Geschnatter, keine Entenjagd.

Auch die Deutschen sterben übrigens aus, Brandenburg macht den Anfang…

Fasten ist nicht schön, aber “in” - und nach 40 Tagen endlich am Ende

Donnerstag, 09. April 2009

Die Fastenzeit ist eine schlimme Zeit. 40 Tage darben. Verzicht auf Alkohol, Schokolade, Geschlechtsverkehr oder Zigaretten. Das kann an die seelische Substanz gehen, denn wer fastet, der leidet. Dass das Fasten aber auch körperliche Schädigungen hervorrufen kann, gilt bei den Muslimen lange schon als ausgemacht. Wer das Gefühl hat, seine Krankheiten würden sich verschlimmern, der darf das Fasten brechen. Im Koran heißt es dazu: „Gott verlangt von keiner Seele mehr, als sie ertragen kann.“

Diese weise Regel ist in der Bibel nicht bekannt. Im Gegenteil: Die Christen haben in den vergangenen Jahren das Fasten als moderne Entschlackungskur von den Verwöhnungen des Alltags neu erfunden. Diese bewusste Einschränkung soll in erster Linie eine Schulung des Geistes bewirken. Früher wurde das verlacht. Heute ist das Fasten “in”!

Nun neigen sich die 40 Tage asketischen Daseins dem Ende zu. Morgen ist Karfreitag, ab 0 Uhr darf der Körper wieder geschädigt werden. Einige sehnten diesem Moment mit feuchtem Mund entgegen. Selten waren die Fastenden in unserem Umfeld so oft krank wie jetzt. Die Blinden werden also wieder zu Sehenden. Die Verschnupften zu normalen Menschen.  Wodka, Sex und Brötchen - wohl bekomms!

Übrigens: Ganz so vernünftig geht es bei den Moslems nun doch nicht zu. Während des Ramadans, wo nur nachts gegessen werden darf, das beweisen Studien, steigt der Konsum um ein erhebliches gegenüber den Zeiten außerhalb der Fastenzeit.


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