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Endstation Zeitschleife

Freitag, 19. Juni 2009
Zeitschleifenloop

Zeitschleifenloop

Der Filmheld erscheint rennend und keuchend auf der Bildfläche, er schreit seiner Angebeten zu, in Deckung zu gehen. Doch zu spät, sie wird erschossen. Der Held ist am Boden zerstört, es gibt keine Zukunft mehr… Keine Zukunft? Aber eine Vergangenheit … und die kommt zuhilfe! Denn da tickt der Zeiger schon auf 12:01 und plötzlich zischt und rauscht der Sound, die bildhafte Welt zerstrahlt in schönste Spektren. Cut. Dunkelheit, ein Wecker klingelt penetrant. Der Held erwacht. Es ist wieder der Morgen des selben Tages. Die Zeit ist zurückgesprungen. Eine Zeitschleife. Der Held kann seine Schöne heute wieder retten und retten und retten …

Ich bin kein Held. Aber ich fahre Tram. Sie fragen sich sicher, was das eine mit dem anderen zu tun hat? Ne Menge, für mich zumindest, denn ich bin in einer Zeitschleife der anderen Art gefangen, also die Geschichte geht so:

Ich fahre gerne Tram in Berlin, Lieblingslaunchstation “S Friedrichsstrasse”, M1 oder 12 Richtung P-Berg. Von der Stadtbahn kommend sehe ich immer schon von weitem das Laufband, das ich - ganz digitaler Bildungsbürger -  sobald nähergetreten reflexartig begutachte, um mich auf den neuesten Newsstand zu bringen (es ist ja schon 13 Minuten her, seit ich meinen Rechner zugeklappt habe, da kann es schon wieder mehrere Unternehmenszusammenbrüche, SPD-Krisen oder Trainerselbstentlassungen gegeben haben, OHNE dass ich es weiss). Also ich zoome sofort auf den Newsticker, der sich oberhalb des Haltestellenhäuschens (sagt man das heute noch so, klingt sooooo ‘73?) befindet und wundere mich.

Denn in schöner LED-Schrift läuft folgendes durch den Kasten (aus dem Kopf zitiert): BVG und N-TV bringen Ihnen die neuesten Nachrichten. So zum Beispiel am 11.06., da hiess es: +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ Und am 15.06.: +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ … und am 19.06. +++ Hunderttausende feiern 60 Jahre Grundgesetz +++ Grüne helfen Köhler +++ Schauspielerin Barbara Rudnik gestorben +++ …

Das ist kein Film. Aber eine Schleife. Eine Endlosschleife. Frau Rudnik bleibt (leider) auch weiterhin tot, der Präsi ist gewählt und das Grundgesetz geht stramm auf die 61 zu. Wie lange wird diese Schleife noch gedreht? Haben wir vielleicht immer noch den 23. Mai und die Welt steht bereits seit Wochen still? Oder ist das evtl. eine Kunstaktion, die uns etwas über den Hyperaktualitäts-Hype der modernen Informationsgesellschaft sagen will? Oder hat einfach ein Mitarbeiter seit fast 4 Wochen gepennt? Naja, bei der BVG …

Ich bin raus!

Donnerstag, 04. September 2008

WHAAM, die “Wir Hassen ALLES Am Meisten”-Kolumne auf SKB!

Heute: “Ich bin raus!”

Es ist ohnehin selten ein Vergnügen, sich in Berlin von A nach B zu bewegen. Völlig unabhängig davon ob man mit dem PKW (Dauerstau, zu Zeiten Mompers schon eingerichtete Endlosbaustellen, Problemfahrer) oder mit dem Rad (Todeskante Strassenbahnschiene, Fussgängerslalom auf Radspur, Ampelphasen mit Rotgarantie) oder eben dem ÖPNV unterwegs ist.

Hier sind es besonders die olfaktorischen Eindrücke in der S-Bahn (individuelles MischMasch aus Verwesungs-, Jahrhundertschweiss- und Erbrochenemgestank) und die “Wir spielen heute die Flucht aus Schlesien Januar 45″-Gedränge in der “STOSS”!!!-zeit mit zurecht übellauigen Fahrgästen, die sich ständig bei Be- und Entschleunigung der U-Bahn auf die Füsse treten und dann gerne an exponierten Körperteilen ihrer Mitmenschen festhalten, welche jede Nahverkehrsfahrt zu einer Folterolympiade machen.

Doch wer denkt, beim Ausstieg ist dann auch alles vorbei, der irrt! Denn jetzt kommt die Zeit der STEHENBLEIBER. Ein Schritt vor die Wagentür … und dann kommt lange Nichts. Kein anderer Fahrgast kommt vorbei, kein anderer kann also auch rauskommen … für gefühlte zweieinhalb Minuten.

Es gilt drei Typen zu unterscheiden:

1. Orientierungslose
Anzeichen: Hektisches Kopfhinundherwenden
Verbreitung: Urbanes, touristisches Zentrum
Abhilfe: ungefragtes Mitnehmen zum Zielort (muss ja nicht ihrer sein)

2. Durchatmer
Anzeichen: nehmen erst mal ganz entspannt ein paar tiefe Züge Frischluft ein
Verbreitung: in ganz Berlin lokal endemisch
Abhilfe: die auf Berliner Bahnhöfen immer griffbereiten Penner einfach mal spontan mit den Durchatmern auf Tuchfühlung bringen

3. Gruppenreisende
Anzeichen: egal ob Kegelclub “Fette Schnecke” oder anglo-americano-australische “binge drinking kids” - es steigt immer erst eine Vorhut aus, dreht sich noch im Aussteigen um und lotst gestenreich aber in Zzzzeeeeeiiiitttlluuuuuuuupe den Resttrupp aus der Bahn
Verbreitung: Szenekieze mit Strahlkraft
Abhilfe: hier hilft nur rechtzeitiger Wagenwechsel

Business-Idee #1: Orientierungskurse für Stehenbleiber


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