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Geträumte Gespräche von imaginären Freunden

Sonntag, 08. Januar 2012

Träum schön

#3 Morgens, Tram-Haltestelle Hackescher Markt

Karl kommt zur Haltestelle, sieht seinen alten Kumpel Heinz:

Karl: Moin

Heinz (schreit ins Handy): Wenn Sie das machen, dann hören Sie von meinem Anwalt! Was? Na, da können Sie einen drauf lassen!

Heinz beendet das Telefonat wutschnaubend mit großer Geste.

Heinz zu Karl: Ach, guten Morgen Karl. Naja, so gut ist der Morgen gar nicht. Musste meinen Versicherungsmakler wulffen - Vertragsprobleme!

Karl: Ach, Du jetzt auch? Wulffen - das neue Unwort für “jemanden telefonisch nötigen und bedrohen”!

Karl macht Luftgeste Anführungszeichen.

Heinz: Naja, irgendwie kann ich ihn auch verstehn. Ständig unter Druck, immer gute Miene zum mediokren Spiel machen. Da kann einem schon mal am Hör-Sprachrohr die Sicherung durchgehen.

Tram 1 kommt, hält und fährt ab. Freunde ins Gespräch vertieft.

Karl: ja, schon ok. Aber da hat er sich doch voll vergallopiert. Und hinterher bleibt er ohne jedes Unrechtsbewusstsein!

Heinz: Er hat ja auch gegen kein Recht und Gesetz verstoßen.

Karl: Aber gegen Anstand, Sitte, Würde des Amtes …

Heinz: Ja, ok.

Karl: … Sprachhygiene, Logik, Ethik …

Tram 2 kommt, hält und fährt ab. Freunde ins Gespräch vertieft.

Heinz: Schon, aber …

Karl: Professionalität, staatsbürgerliche Demut, Verantwortungsbewusstsein …

Heinz: Aber denkt denn hier keiner an seine Verdienste?

Karl: Welche genau?

Heinz: Also, die Sache mit den Muslimen.

Karl: Ja, da war dann mal das!

Heinz: Dass der Islam ja auch zu Deutschland gehört.

Karl: Mhm.

Heinz: Und dann noch …

Karl: Jaaa?

Heinz: Also, er ist schon auch irgendwie sehr repräsentativ. Weniger sprachlich oder inhaltlich, mehr so im Ganzen gesehn. Auch so mit Gattin im Schlepp.

Karl: Tja, ok … und sonst?

Heinz: Zugegeben, den großen Impact hatte er noch nicht. Trotzdem!

Karl: Trotzdem was?

Heinz: Trotzdem ist die Reaktion übertrieben. Übertrieben, maßlos und hysterisch.

Karl: Hysterisch? Na, ich weiß nicht!?

Heinz: Klar hysterisch, mein Freund. Hysterische Bürger eines hysterischen Landes aufgepeitscht von einer sensationsgeilen und kampagnenbesessenen Presse wollen seinen Kopf.

Karl: Nee, nur seinen Rücktritt.

Heinz: Aber das ist doch nun wirklich eine hysterische Reaktion!

Karl: So wie die des Präsidenten am Telefon?

Heinz: Genauso.

Karl: Ein hysterisches Volk und ein hysterischer Präsident! Passt! Wie Faust aufs Auge.

Heinz: Siehst Du? Da haben sich doch zwei gefunden, die sich verdienen.

Karl: So gesehen: Korrekt.

Tram 3 kommt, hält, Freunde steigen ein. Tram fährt ab.

später Tram (innen)

Karl: Und was machst Du jetzt mit dem Versicherungsmakler?

Heinz: Dem geb ich ordentlich Zunder. Wie gesagt, den werde ich wulffen!

Karl: Du drohst mit dem Anwalt?

Heinz: Nee, mein bester. Mit der BILD-Zeitung!

Karl: I werd hysterisch.

Freunde lachen …


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